Stefan Zauner über Stefan Zauner

„In meiner eigenen Schreibe“

Stefan ZaunerWo soll ich anfangen? Eigentlich müsste ich kurz ins Jahr 1967 zurückgehen: Der heute sehr erfolgreiche Filmmusikproduzent Harold Faltermayer suchte für seine Band Melodic Sound einen Bassisten. Ich hatte zwar keine Ahnung vom Bass spielen, aber mit Paul McCartney als großem Vorbild und dem festen Willen, es in kürzester Zeit zu lernen, schaffte ich das. Wir spielten Twist and Shout, den letzten Walzer und alles was dazwischen lag. Udo Jürgens, der einmal zu Besuch kam, hätte mich in seine Band genommen (das sagte er zumindest) – aber mit fünfzehn? In einer Sendung der Abendschau antwortete ich auf die Frage, ob ich später einmal etwas mit Musik machen wollte mit einem klaren NEIN.

Erst sehr viel später und nach einem Kunststudium in der Schweiz, ich glaube ich war 22, lernte ich einen Tonassistenten eines Münchener Studios kennen, mit dem ich ein paar Demos in einem richtigen Studio aufnehmen konnte. Ich habe diese anschließend zu einer Plattenfirma geschickt und durfte daraufhin eine eigene Platte aufnehmen. Das wurde zwar kein Erfolg – aber ein Einstieg und für mich eine Wahnsinnssache. Diese meine erste Platte hieß „Narziss“ und sie anzuhören ist heute eine echte Mutprobe für mich.

Einmal fragte mich der Produzent von AMON DÜÜL, einer Underground Band aus den Siebzigern, ob ich Orgel spielen könnte. Ich hatte auch davon keine Ahnung, sagte aber ein zweites Mal ja und wir trafen uns und spielten ein bisschen zusammen. Am nächsten Tag folgte ein Auftritt. Das ging schnell! Die Zeiten waren sehr chaotisch und ich lernte schnell, dass man auch im Delirium Musik machen konnte, solange sich das Publikum in demselben Zustand befand. Ich habe der Gruppe aber keinen großen Gefallen getan, da ich versuchte, sie meinen damaligen Idolen wie GENESIS oder YES anzugleichen. Trotzdem habe ich mit dem Gitarristen Klaus Ebert weitere Demos gemacht, die einem amerikanischen Produzenten so gut gefielen, dass er uns nach Amerika holte. Ich wäre seinem Ruf vielleicht nicht gefolgt, hätte ich geahnt, dass ich ein Jahr lang warten musste, um dann völlig desillusioniert wieder nach Deutschland zurückzukehren. Es gab nämlich überhaupt keinen Plattendeal!
Wieder zurück in der Heimat kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da gab es plötzlich die „NEUE DEUTSCHE WELLE“. Was für eine Gelegenheit in einer Zeit, in der Songs wie „Fred vom Jupiter“ Nummer eins wurden, Musik machen zu dürfen. Ich traf Aron (Strobel) in einem kleinen Studio. Zusammen gründeten wir dann eine Band und nannten sie „Münchener Freiheit“. Der Name war die Idee von Freddie Erdmann, der sich auch bereit erklärte, den Bass zu übernehmen. Er hatte zwar keine Ahnung vom Bass spielen, aber das war aus eigener Erfahrung wurscht.
Am Schlagzeug wechselte bald Rennie Hatzke den Platz mit Günther Stolz. Wir machten Demos – wie schon so oft davor und ein Leben lang danach – und bekamen ziemlich schnell einen Plattenvertrag. Die Firma machte uns dann aber auch klar, dass es schon besser wäre eine Ahnung zu haben von dem was man tut. So kamen Micha und Alex in die Band und Freddie wurde so gut es ging abgefunden. Dann begann eine tolle Zeit.
Wir bekamen von der Plattenfirma einen für heutige Verhältnisse riesigen Vorschuss, wurden neu eingekleidet und der Produzent Armand Volker trat in unser Leben. Die Musik klang jetzt richtig professionell und es kristallisierte sich langsam ein eigener Stil heraus, in dem unser Markenzeichen, der Satzgesang, immer mehr in den Vordergrund trat.

Wir lagen oft im englischen Garten und hörten Musik aus den ersten freien Radiostationen. „New Romantic“, ein neuer Stil hielt Einzug in die Herzen der Hörer und die „Neue deutsche Welle“ drohte zu verebben. Wir hielten uns zwar noch zwei Jahre über Wasser und erreichten mit „Oh Baby“ Platz 25 in den Charts, machten uns aber schon Gedanken über ein englischsprachiges Projekt. Einen Versuch wagten wir noch: „Ich werde mich verändern, um Dir zu imponieren – mit Dir den ganzen Abend Probleme diskutieren“. So hieß es zuerst. Rennie war total gegen diese Art Süßholzraspeln, und ich gab ihm Recht. Gott sei Dank, denn daraus wurde dann mit dem neuen Text unser größter Erfolg: „Ohne Dich“.
Wir erreichten mit über 650.000 verkauften Platten spielend Gold und dieser Erfolg hielt über viele Jahre an. Die Hallen wurden voller und größer und unsere Gagen auch. Ich zog mit meiner damaligen Frau nach Ibiza und produzierte von da an im sonnigen Süden die Musik. Ich übernahm auf Anraten meiner Kollegen selber die Rolle des Produzenten. Doch die Zeiten ändern sich. Das Radio wandte sich mehr und mehr von deutschsprachiger Musik ab und das bekamen wir durch geringere Verkaufszahlen natürlich zu spüren. Das hieß für uns immer mehr live zu spielen und bald saß ich mehr im Flieger als ich zu Hause war. 2002 verstarb meine Frau und ich vergrub mich fast ein Jahr lang in meiner Finka auf Ibiza.

Aber die Zeit heilt ja bekanntlich auch die größten Wunden und ich fand auch wieder die Lust am Leben. Diese hieß Petra mit der ich bis zum heutigen Tage zusammen bin. Sechs Jahre lang flogen wir tapfer fast wöchentlich nach Deutschland und wieder zurück, damit haben wir damals Air Berlin reich gemacht. Natürlich kamen alle gerne zum Arbeiten nach Ibiza. Außer Aron, der hatte ja schon vor mir dort ein Haus gekauft. Trotzdem litt das Zusammenspiel mit den restlichen Bandmitgliedern etwas unter der großen Entfernung. Ich musste mehr Eigeninitiative entwickeln als mir oder meinen Kollegen lieb war.
Auch war es nicht immer einfach, konsequent zu arbeiten, wenn man tagtäglich vom Urlaub umgeben ist. Aber irgendwann werden Sonne und Meer ganz normal und plötzlich gewinnt ein Land wie Bayern wieder an Attraktivität, so dass es, nach Aron, auch Petra und mich wieder in die Biergärten der Heimat zurückzog.

30 Jahre „Münchener Freiheit“, das war mein Ziel und „Ohne Limit“ sollte unsere letzte gemeinsame CD heißen. Die Liveauftritte hatten zwar nichts an Attraktivität eingebüßt, aber ich fühlte mich mehr und mehr auf die Achtziger Jahre und die Hits aus dieser Zeit reduziert. Also ging ich das Risiko ein, nochmal ins kalte Wasser zu springen und machte meinen lange vorher angekündigten Entschluss wahr und stieg aus der Gruppe aus. Eine Abschiedstour konnte es nicht geben, weil es ja für die anderen kein Abschied war. Sie wollten ebenfalls den Sprung wagen und mit einem neuen Sänger noch einmal durchstarten.
Ein mutiger Entschluss auf beiden Seiten. Aber glaube ich an meine eigene Überzeugung, dass alles, sei es positiv oder negativ und scheinbar unbedeutend, unzertrennbar wie in einem Film des Lebens zu dem führt, was wir Gegenwart nennen, dann muss ich sagen: Wunderbar – es ist gut wie es war!

Im September 2012 erschien dann im Grunde schneller als gedacht, mein erstes Solo-Album „Zeitgefühl“. Aus einer spontanen Eingebung heraus ließ ich meine damalige Freundin und heutige Frau Petra Manuela bei dem Song „Tick Tack“ mitsingen. Das Lied überzeugte meine Tonträgerfirma so sehr, dass es zur ersten Single wurde. Das für uns ein großes Glück, denn so konnten wir zusammen zu Radiostationen, Presseinterviews und TV-Sendungen reisen. „Tick Tack“ wurde ein Radio-Hit und gab mir Mut meinen Weg als Solo-Künstler weiter zu verfolgen.
Im März dieses Jahres kommt nun der Nachfolger „FABELhaft“ auf den Markt. Ein Album, das ich mit viel Herzblut komponiert und produziert habe. Für die erste Single „Fang an“ habe ich übrigens wieder mit dem Schweizer Produzenten Armand Volker zusammengearbeitet. Armand hat wie schon erwähnt viele der bekanntesten Münchener Freiheit-Hits produziert und hatte seinerzeit großen Anteil am Sound der Band. Er hat im Grunde die Chöre der Freiheit miterfunden und mich ab und zu bis zu 30 Gesangsstimmen übereinander singen lassen. So entstanden am Ende die großen Chöre, die so etwas wie das Markenzeichen der Münchener Freiheit geworden sind. Ehrlich gesagt, mache ich es heute noch genau so, wie man auch an den Aufnahmen zu „FABELhaft“ gut hören kann. Wichtig an dem neuen Album ist sicher, dass Petra Manuela als neue Klangfarbe diesmal bei insgesamt fünf Songs mitgewirkt hat. Ihre Stimme macht den Klang des Albums einfach vielseitiger.

Zu meiner persönlichen Lebensgeschichte und der Bandgeschichte der Münchener Freiheit habe ich natürlich viele Fakten und Details, Jahreszahlen und Chart-Platzierungen hier weggelassen. Erstens, weil sie schon korrekt aufgelistet in der Bio der „Münchener Freiheit“ stehen und zweitens, weil ich mich beim besten Willen nicht mehr an alles erinnern kann. Es war nämlich ganz schön viel, doch scheinbar noch nicht genug. Wir hatten das Glück insgesamt sechs Singles aus dem Album „FABELhaft“ auszukoppeln, die mit großem Erfolg im Radio gespielt wurden. Allesamt mit Petra zusammen gesungen. Da lag es natürlich nahe in dieser Richtung weiter zu gehen. Und schon ist es da, das neue Album und es heißt „Mensch ärgere Dich nicht“. Na ja, es ist nicht einfach so gekommen. Es waren doch einige Tage nötig, die wir anstatt am Badesee oder im Biergarten  zu entspannen, lieber im Studio arbeiteten. Und während ich hier sitze und schreibe versuche ich auch ein bisschen in die Zukunft zu sehen.

Hatte ich mich nicht vor meinem geistigen Auge einmal mit Strohhut vor einer Kleinen Staffelei im Garten unseres Hauses sitzen sehn und ein Bild malen, wie zu meinen Anfängen als Kunststudent? Nun die Staffelei hab ich noch und sie wartet geduldig in einem Zimmer zusammen mit Pinseln und Farben. Na dann vielleicht nach der anstehenden Autogrammtour, den Presseterminen, den Fernsehauftritten und den Videodrehs und der nächsten CD, für die ich bereits ein paar Ideen im Kopf habe. Soll Petra mir dann eine Wolldecke über meine Beine legen und mir meinen Ingwertee an die Staffelei stellen?

Nein ich glaube so wird das nichts.

Stefan Zauner

Euer Stefan